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WILLI KAPPICH
INHALT

Irisch indisch bayerisch kubanische Atmosphären kontrapunktieren mit irrwitzigen Improvisationen aus dem Augenblick.

Eine poetisch einzigartige Klangreise. 

Burkard Kunkel

Michel Pilz

Willi Kappich

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basset horn, zither
bass klarinette
drums, tablas, gatam, congas, cajon, perc.

Burkard Kunkel

Bob Degen

Willi Kappich

basset horn, zither
piano
drums, tablas, cajon, perc.
"ZITRONE UND ZIMT"


Ungewöhnliche Instrumente und die zweite und dritte Frankfurter Jazzgeneration treffen aufeinander. "Lyrische Expression" ist das Gebot. "Zitrone und Zimt" ist lyrisch und ausdrucksvoll im Klanglichen, in filigraner Melodik und komplexer Harmonik, im gemeinsamen Ausloten musikalischer Grenzgebiete und im dezenten gegenseitigen improvisatorischen Abtasten. Stille ist manchmal der eindrucksvollste Klang. Balladeske Strukturen, Themen, gemeinsame Improvisationen und Soli verflechten sich surreal wie im Traum, werden plötzlich wie Vulkanausbrüche in einer geschmeidigen Landschaft zerschnitten von Kunkels beschwörendem Bassetthorn, suchend und forschend, dann bohrend und insistierend.

Degen, einer der hochkarätigsten Jazzpianisten der Gegenwart und Meister der Reduktion, kontrapunktiert jenes mit feinsinnigen, lyrischen Klangbildern oder zieht die anderen mit in ein ganz anderes Areal.

Kappich hört, groovt, pulsiert, zerklüftet und eint vielschichtig wie kein anderer an der Perkussion.

Ist es eine Musik zwischen Jazz, neue Musik, Kammermusik, Worldfolk?

Musik Musik

"Zitrone und Zimt" debütieren im Palmengarten

Von ULRICH OLSHAUSEN - Frankfurter Allgemeine Zeitung, Mo 26. Juli 2010


Neu formulierte Freiheiten

"Zitrone und Zimt" nennt sich eine neue Frankfurter Formation zweier Generationen, die bei den sommerlichen Jazzkonzerten im Palmengarten ein glänzendes Debüt gab. Die Erfahrungen, die hier zusammenkommen, sind weltumspannend und zeitenübergreifend, und man beschreibt sie wohl besser über die Musik als mit ausufernden Biographien. Die Freiheiten, die sich der Jazz in den sechziger Jahren nahm, werden hier neu erfasst, mit anderen Traditionen verbunden und individuellen Prägungen aufgeladen. Schon die Besetzung ist ein Unikum der Jazzgeschichte: Bassklarinette spielt der Luxemburger Michel Pilz, einer der wenigen, für die das Instrument einzige Wahl ist. Burkard Kunkel spielt das etwas höher gestimmte, ebenfalls zur Klarinettenfamilie gehörende Bassetthorn. Bob Degen ist der Pianist, Willi Kappich der Schlagzeuger.

Die Stücke werden meistens mit wohldurchdachten, melodisch einprägsamen, oft auch kontrapunktisch austarierten, sozusagen eleganten Kompositionen auf den Weg gebracht. Die Freiheit, die dann in den Improvisationen herrscht, hat eine eindrucksvolle Vielfalt. Melodische Bezüge zu den Themen kommen und vergehen, ohne dass man diesen, auch wohl nur im Unterbewusstsein der Musiker absichtslos wuchernden, Prozessen mit dem Verstand folgen könnte oder müsste. Sie haben ihre eigene Poesie und sinnfällige Entwicklungsästhetik. Freie Turbulenzkollektive gibt es wenig; wo sie vorkommen, etwa in einem Duett der beiden Klarinetten, sind sie dann auch mal Forum für vordergründigen Spaß.

Die rhythmische Situation hat, so wie auch die harmonische eine faszinierend schwebende Ambivalenz. Feste Metren ergeben sich eher zufällig, ein Pochen des Schlagzeugs etwa, das sich im Gruppengeschehen nicht unbedingt durchsetzt. Die Harmonik lässt nur selten tonale Bezüge ahnen. Verantwortlich dafür ist natürlich der Akkordspieler des Quartetts, Bob Degen, dessen harmonisches Verständnis ein Wunder unerlösten Reichtums ist. Überhaupt ist Degens Spiel, in dem es keine überflüssige Note gibt, ein Muster gedanklicher und technischer Disziplin und Effizienz der Phantasieentwicklung.

Willi Kappich, der jahrelang bei indischen Meistern Tabla studiert hat, bringt an seinem Perkussionsset (inklusive Tablas), das er bevorzugt mit den bloßen Händen spielt, stilistisch grenzüberschreitende Feinstrukturen höchster Klarheit und Virtuosität zusammen. Hohes Spielniveau auch bei den beiden Bläsern, von denen allerdings Michel Pilz einige Zeit zum Erreichen der richtigen Betriebstemperatur brauchte, im zweiten nieselregenfreien Teil des Konzerts aber dann auch mal zu jenen typischen Eruptionen des frühen Free Jazz gelangte, deren Zähmung ihn zu einer der "zeitlosen Säulen des mitteleuropäischen Free Jazz" gemacht hat.



Quartett "Zitrone und Zimt" am 22.7.10 im Palmengarten Frankfurt

Von Stefan Michalzik - FRANKFURTER RUNDSCHAU


Geordnete Freiheit

Der Frankfurter Jazz hat auch nach seinen mythenumwobenen Nachkriegszeiten immer wieder markante Solisten hervorgebracht. Das Quartett Zitrone und Zimt, das jetzt bei der Jazzreihe in der Konzertmuschel des Frankfurter Palmengartens gastierte, vereint einige dieser Hochkaräter.

Der Umstand, dass der Schlagzeuger Willi Kappich an dem verregneten Abend das Hauptgewicht auf die Tablas legte, mag ethnomusikalische Assoziationen wecken. Aber das weist in die falsche Richtung. Kappich, der mitunter auch die Becken und die Trommeln des gebräuchlichen westlichen Schlagwerks mit den bloßen Händen spielt, nimmt, weit entfernt von der klassischen Rolle des Pulsgebers, die Position einer auf Augenhöhe befindlichen, quasi-melodischen Stimme im Solistenensemble ein.

Der Pianist Bob Degen, ein schon vor langer Zeit in den Frankfurter Jazz eingebürgerter Amerikaner, hat bei Albert Mangelsdorff, Heinz Sauer und im hr-Jazzensemble gespielt, aber auch mit US-Größen wie Art Farmer, Dexter Gordon und Lee Konitz. Er ist ein Meister der Auslassung. Bei aller Prägung durch Thelonious Monk lässt er immer wieder auch ein Bewusstsein für jenen Groove spüren, der das Jazzpiano bei Urvätern wie Fats Waller kennzeichnete, woraus eine perkussive Dimension resultiert. Die beiden Klarinettisten - der Bassetthornspieler Burkhard Kunkel und der Luxemburger Michel Pilz an der Bassklarinette - treiben ihr Unisonospiel mitunter ins Flächenhafte. Kunkel ist derjenige, der - auf eine durchaus nicht dominante Weise - mehr nach vorne weg geht, Pilz entfaltet seine Wirkung aus einer eher in sich ruhenden Haltung heraus.


Über den Zeiten

Stilistisch bewegt sich dieses grandiose Quartett in den Gewässern einer wohlgeordneten Freiheit. Die hat ihre Urgründe in jenem Zweig der Fünfziger-Jahre-Antike des Modern Jazz, der einer Abstraktion zustrebte, wie sie sich in Jimmy Giuffres wegweisendem Album ,,Tangents in Jazz" 1955 exemplarisch manifestierte. Wenige Jahre später fand sie in Miles Davis´ ,,Kind of Blue" in einer transformatorischen Form mit Marschrichtung Free Jazz eine weitere Wegmarke.

Idealtypisch austariert ist bei Zitrone und Zimt das Verhältnis von Einverständnis und Reibungspotenzialen. Diese Musik kann Zeitgenossenschaft in vorderster Linie für sich beanspruchen und sie ist zugleich über die Zeitläufte erhoben.

PRESSE

Die neue CD "Zitrone und Zimt"
CD DEMO